Zurück nach Pompeji German

Kim M Kimselius bücher

Zurück nach Pompeji

 

"Sie scheinen aus guter Familie zu sein, so wie Theo sich benimmt", dachte Ramona und ging durch den Torbogen hinein.

 

Ein schmaler Gang führte zu einer grossen Halle. Ramona schnappte nach Luft. Das war phantastisch, so lebendig und bunt. So anders als die alten Ruinen, die sie zuvor in Pompeji gesehen hatte.

 

Der Fussboden bestand aus schön gemustertem Marmor, vier grosse Marmorsäulen erhoben sich in der Mitte der Halle und an der Decke befand sich eine Öffnung mit direktem Blick zum Himmel. Es war, als hätten sie einen Bilderrahmen in die Decke gelegt, um ein schönes Bild vom blauen Himmel zu bekommen. Ramona guckte faszinert nach oben auf die hübsch verzierten Balken, die die viereckige Öffnung umrahmten.

 

Direkt unter dem Loch befand sich ein in den Boden gesenktes Wasserbecken. Es hatte die gleiche Grösse und Form wie das Viereck in der Decke. Momentan schien die Sonne schräg durch die Deckenöffnung, noch hatte sie nicht die Beckenkante erreicht.

 

Die Wände waren mit schönen Mosaikbildern ausgeschmückt. Die winzig kleinen Mosaikteile waren direkt an der Wand befestigt und bildeten grosse, farbensprächtige Bilder. Ramona hatte das Gefühl, dass der Löwe an der Wand direkt auf sie zuspringen könne.

 

Dahingegen gab es nicht so viele Möbel. "Da hatte der Museumsführer Recht", dachte Ramona.

 

Rechts vom Eingang stand ein Tisch, an die eine Wand war ein Stuhl gestellt und beim Wasserbecken stand eine Marmorbank. In einer Ecke erhellte ein grosser Blumentopf mit seiner enormen roten Blütenpracht die Umgebung.

 

Es war so schön. Ramona bekam Tränen in die Augen, als sie daran dachte, dass all dies verdorben werden sollte. Und vielleicht würde das schon bald passieren. Sie wusste ja nicht, was es für ein Jahr oder Tag war. Ramona wendete sich zu Theo.

 

"Theo, was ist heute für..."

 

"Aber was haben wir denn hier?"

 

Die Frage wurde mit einer milden Stimme gestellt. Eine ältere Dame in einem helllila Kleid war aus einem der angrenzenden Zimmer gekommen. Sie war sehr schön mit ihrem schwarzen Haar, das sie zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt hatte. Ihre braunen Augen glänzten und ein Lächeln spielte um ihre warmroten Lippen.

 

"Dass muss Theos Mutter sein", dachte Ramona. "Sie hat genau solche herrlichen braunen Augen wie er."

 

"Ja, Mama, wenn wir erzählen würden, wie es wirklich ist, würdest du uns nie glauben. Also können wir uns gleich damit begnügen zu sagen, dass dies hier ein Kumpel von uns ist. Sie wird hier eine Weile wohnen. Wie lange wissen wir nicht, vielleicht für immer, wer weiss", sagte Theo und zuckte mit den Schultern.

 

 

Theos Mutter schien sich mit der Erklärung zufrieden zu geben und ging mit ausgestreckten Armen auf Ramona zu. Sie ergriff Ramonas Hände und guckte ihr tief in die Augen. Ihre Stimme war sehr freundlich als sie sagte:

 

"Willkommen, liebes Kind! Du bist willkommen, so lange bei uns zu bleiben wie du willst und wie du musst. Alles, was unser ist, ist deins. Ledier können wir dir kein eigenes Zimmer geben, aber ich bin sicher, dass Livia ihr Zimmer mit dir teilt."

 

Sie wendete sich fragend an Livia und bekam ein w¨tendes Nicken als Antwort.

 

......

 

"Papa... wir können wohl annehmen, dass sie aus der Zukunft kommen. Es ist ja egal, wo sie herkommt, die Frage ist nur, was wir mit ihr machen!"

 

"Sklave!" Das war das erste, woran Ramona dachte, als Theo seinen Satz beendet hatte. "Sie wollen mich als Sklaven verkaufen. Ich werde wie Poltia, muss beim kleinsten Befehl gehorchen und laufen. Nein, ich habe nicht vor, Sklavin zu werden!"

 

Ramona stand vom Bett auf, um wegzugehen.

 

"Wo gehst du hin?" fragte Theos Mutter und sah Ramona erstaunt an, während ein warmes, freundliches Lächeln auf ihrem Gesicht leuchtete.

 

"Ich werde versuchen, nach Hause zu kommen", sagte Ramona bestimmt. "Ich weiss zwar nicht, wie das gehen soll, aber versuchen kann ich es ja. Ihr glaubt mir ja eh nicht und warum soll ich dann hier sein und euch zur Last fallen."

 

Sie fühlte, wie die Tränen anfingen, ihre Wangen hinunterzufliessen, und wendete sich schnell ab. Sie wollte eigentlich gar nich gehen. Wohin sollte sie? Es gab keine Möglichkeit, dass sie in ihre eigene Zeit zurückreisen konnte. Wenn sie sie doch bleiben liessen! Langsam machte sie einen Schritt nach vorne, und gleichzeitig fühlte sie eine Hand auf ihrem Arm. Die Hand zwang sie, sich umzuwenden, und dort stand Theos Mutter mit einem liebevollen Ausdruck auf dem Gesicht. Sie legte ihre Hände auf Ramonas Schultern, sah ihr in die Auge und begann zu reden.

 

"Du musst verstehen, dass es uns schwer fällt, so einer Geschichte zu glauben. Du hättest ihr wohl selbst kaum zuerst geglaubt. Aber wenn du sagst, dass sie wahr ist, und ich glaube nicht, dass du ein Mädchen bist, das lügt, dann glauben wir, dass sie wahr ist, und wir werden alles machen, was wir können, um dir zu helfen. Bis auf weiteres darfst du hier bei uns bleiben."

 

"Als Sklavin?" fragte Ramona erschrocken und war nahe daran, sich aus dem freundlichen Griff von Theos Mutter zu reissen.

 

"Als Sklavin!" sagte Theos Mutter und lachte. "Nein, wirklich nicht. Du darfst hier als Gast bleiben, und wenn du gerne bezahlen möchtest, kannst du uns ja immer unterhalten, indem du ein bisschen über die Zukunft erzählst. Das wäre schön zu hören!"

 

Ramona stiess einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, legte ihren Kopf in den Nacken und sah zur Decke hinauf, während sie einen dankbaren Gedanken an denjenigen schickte, der ihr half.

 

"Und jetz finde ich essen wir weiter", sagte Theos Mutter.

 

"Bitte schön. Nimm wider dinen Platz ein. So lange, wi du hier bleibst, ist er deiner. Und jetzt wollen wir ein bisschen über deine Zeit hören und was dort passiert."

 

Ramona schaffte es nie, ihre Erzählung zu beginnen, denn im selben Augenblick, in dem sie den Mund öffnete, begann die Erde zu beben. Livia schrie und packte Theo. Die Schalen auf dem Tisch fuhren auf den Boden und der Inhalt verteilte sich im Raum. Ein kräftiger Stoss schleuderte Ramona aus dem Bett, und sie schlug mit dem Kopf an die Tischkante. Ihr letzter Gedanke bevor sie in Bewusstlosigkeit versank war: "Jetzt beginnt der Vulkanausbruch, und ich werde sterben!"

 

Übersetzung/Översättning: Martina Runfors, Ronneby. For more text in english.

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